Interview #7 Young Struggle Mannheim

Warum beteiligt ihr euch an der Mobilisierung?

Für uns ist es selbstverständlich, dass wir Betroffene von staatlicher Verfolgung nicht alleine lassen. Wir haben es in Deutschland mit einem mit allen Wassern gewaschenen Staatsapparat, der darin geübt ist systemkritische Proteste, Bewegungen und Organisationen zu bekämpfen. Gegen
diese Einheit aus Polizei, Geheimdiensten und Justiz, haben wir nur unsere auf Solidarität basierende Einheit antifaschistischer Kräfte. Solidarität heißt für uns, jemanden nicht alleine im Regen stehen zu lassen. Darum beteiligen wir uns an der Mobilisierung.

Wie schätzt ihr gesellschaftliche Entwicklung ein zu Rassismus, Repression und Krise?

Wir beobachten in ganz Europa einen Anstieg des Rassismus. Die europäischen Imperialisten lassen sich selbst, ihr Kapital, ihre Waren und ihre Armeen in jedem Winkel der Welt nieder. Für sie gelten keine Grenzen. Sie marschieren dort ein, wo es für sie profitabel erscheint und wollen eine Welt schaffen, in der ihr Kapital und ihre Profite sich quer über alle Staaten frei bewegen können. Da sie mit ihren neokolonialistischen Methoden sowohl Hunger, Armut und Elend, als auch Gewalt und Krieg in die Länder der 3. Welt tragen, ist es nur all zu legitim, dass die Menschen, die Opfer dieser Ausbeutung und Unterdrückung ihrer Länder geworden sind, auch die gleiche Bewegungsfreiheit in Anspruch nehmen wollen, um dorthin zu gehen, wo sie ein etwas besseres Leben erwarten. Die europäischen Mächte, allen voran Deutschland, tun alles dafür um dies zu verhindern. Die Bewegungsfreiheit, die für sie gilt, soll für Andere noch lange nicht gelten. Darum verwandeln sie in Europa eine Festung, versuchen die Flucht hierhin unmöglich zu machen und verwandeln in vollem Bewusstsein das Mittelmeer in ein Massengrab. Den wenigen „Glücklichen“, die es trotz alledem hier hin geschafft haben, soll das Leben hier so grausam wie nur irgendwie möglich gemacht werden. Lagerunterbringung, Residenzpflicht, rassistische Polizeikontrollen sind genau dafür geschaffen.

Sozialpopulistische Rechtsparteien, nutzen die sozialen Ängste, die Not und Armut der deutschen Bevölkerung aus, um sie gegen die „Schmarotzer und Wirtschaftsflüchtlinge“ zu hetzen. Dabei sind sie in letzter Zeit leider etwas erfolgreicher als früher. Umso wichtiger den antifaschistischen und antirassistischen Kampf zu erhöhen.

Warum sollen Leute auf die Demo kommen?

Wir rufen alle Leute dazu auf sich solidarisch zu zeigen und gemeinsam Widerstand gegen das unterdrückerische Vorgehen des Staats zu
leisten. Wer für eine bessere Zukunft, ein besseres Leben einsteht, der kriegt diese nicht vom Staat geschenkt, sondern muss dies erstreiten und erkämpfen. Dies können wir gemeinsam und entschlossen umso besser. Im Juni-Aufstand dieses Jahr in der Türkei haben wir gesehen wie viel Kraft entsteht, wenn man zusammenhält und sich nicht einschüchtern lässt.